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Am 28. Februar 2022 erschien der zweite Teil des sechsten Sachstandberichts des Weltklimarats IPCC über die Folgen des Klimawandels. Der Bericht warnt vor einem begrenzten Handlungszeitraum für Gegenmassnahmen und gibt gleichzeitig widersprüchliche Empfehlungen für eine klimaschonende Ernährungsweise ab.

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Die Folgen des menschengemachten Klimawandels sind bereits jetzt zu spüren: Wetter- und Klimaextreme nehmen zu und führen zu unwiderruflichen Schäden für Mensch und Natur. Der Weltklimarat IPCC (The Intergovernmental Panel on Climate Change) prognostiziert, dass die Folgen und Risiken des Klimawandels immer komplexer und schwieriger zu bewältigen sein werden.

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Begrenzter Zeitraum für Massnahmen

Wie der IPCC-Bericht aufzeigt, ist das Potenzial für Anpassungsmassnahmen bis Mitte des Jahrhunderts und bis zu einer Erwärmung von 1.5°C noch gross. Allerdings würden selbst in diesem Zeitfenster getroffene Massnahmen nicht allen Verlusten und Schäden entgegenwirken können. Bei einer Erwärmung darüber hinaus sinke die Effektivität der meisten Massnahmen drastisch weiter – der Grossteil der Auswirkungen werde unumkehrbar sein. Für Europa werden Hitzewellen, Dürren, Wasserknappheit und Überflutungen als Hauptrisiken genannt. Um diese und weitere Risiken des Klimawandels zu minimieren, ist ein massiver Rückgang der Treibhausgasemissionen nötig, genauso wie verschiedenste Massnahmen zur Anpassung an die sich verändernden Umweltbedingungen.

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Gefährdung der Ernährungssicherheit

Gemäss dem Bericht werden Nutzpflanzen und -tiere als Folge der Erderwärmung Dürren und Hitzestress ausgesetzt sein, was zu einem geringeren Ertrag in der Nahrungsmittelproduktion führen wird. Als Massnahme, um die Ernährungssicherheit in Zukunft zu gewährleisten, verweist der Bericht unter anderem auf die Förderung einer ausgewogenen Ernährungsweise. Diese definiert der IPCC Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL) 2019 folgendermassen:

«Ausgewogene Ernährungsweisen mit pflanzlichen Nahrungsmitteln, z.B. auf Basis von Grobgetreide, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse, Nüssen und Samen, sowie tierischen Nahrungsmitteln aus resilienter, nachhaltiger und treibhausgasarmer Produktion bieten bedeutende Gelegenheiten für Anpassung und Minderung und schaffen gleichzeitig signifikante Zusatznutzen für die menschliche Gesundheit.»

Diese Empfehlung enthält jedoch einen grundlegenden Widerspruch, denn tierische Nahrungsmittel aus treibhausarmer Produktion gibt es kaum. Als nachhaltige Lösung hierfür schlägt der Bericht ein «verbessertes Nutziermanagement» vor. Auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) empfiehlt unter anderem eine Intensivierung der Nutztierhaltung zur Förderung einer klimaschonenderen Ernährung. Es werden also vor allem technische, für bestimmte Wirtschaftszweige sehr lukrative, Lösungen angestrebt – individuelle Verhaltensänderungen beispielsweise im Hinblick auf die Ernährung werden dagegen weitgehend ignoriert. 

Tatsächlich betrachten viele ExpertInnen eine Ernährungsumstellung jedoch als den wichtigsten Faktor zur Bekämpfung des Klimawandels, da der Treibhauseffekt einer omnivoren Ernährung um ein Vielfaches grösser ist als der einer pflanzlichen. Auch für den IPCC wäre es folglich weit sinnvoller, eine rein pflanzliche Ernährung ausdrücklich als Massnahme gegen den Klimawandel zu empfehlen – einen entsprechenden Hinweis sucht man in dem kürzlich erschienen Bericht jedoch vergebens.